Dienstag, 25. August 2026

Messdienerwallfahrt auf den Spuren der Hl. Edith Stein

unterwegs in Polen

Vom 19. bis 25. Juli unternahmen zehn Messdienerinnen und Messdienern gemeinsam mit mir, Pastoralreferentin Nina Bender, eine Wallfahrt auf den Spuren der Hl. Edith Stein. Wir folgten ihren irdischen Spuren in ihrer Heimatstadt Breslau (heute Wrocław), in der sie 1891 in eine jüdische Familie hineingeboren wurde, um zu erfahren, weshalb sie ihr Lebens- und Glaubensweg zu uns nach Bad Bergzabern führte und sie sich in unserer St. Martinskirche 1922 taufen lies.

Mit zwei Kleinbussen, die wir selbst fuhren, brachen wir nach der Sonntagsmesse und dem Reisesegen von Bad Bergzabern aus zu unserer Wallfahrt auf. Unser erstes Ziel war das Kloster Marienthal in Ostritz an der deutsch-polnischen Grenze. Nach achteinhalb Stunden Fahrt konnten wir hier übernachten und am nächsten Morgen gemeinsam mit den Schwestern die Heilige Messe mitfeiern. Eine der Schwestern nahm sich auch die Zeit, um uns durch die beeindruckende Klosteranlage zu führen und uns über die lange Geschichte des Klosters und das Leben der Zisterzienserinnen zu erzählen.

Voller Vorfreude fuhren wir am späten Vormittag dann endlich über die Grenze nach Polen. Auf unserem Weg nach Breslau machten wir Halt in Liegnitz, dem heutigen Legnica, um in der Kirche St. Hyazinth mehr zum eucharistischen Wunder zu erfahren, dass sich dort am 25. Dezember 2013 ereignet hatte. Medizinische Untersuchungen ergaben, dass es sich um Fragmente von Muskelgewebe handle, die einem Herzmuskel im Todeskampf ähneln. Nach einem Gespräch mit einem Augenzeugen konnten wir vor der Reliquie beten und darüber nachdenken, was die Gegenwart Christi in der Eucharistie für unseren eigenen Glauben bedeutet.

Gestärkt mit diesen Eindrücken setzten wir anschließend unsere Fahrt nach Breslau fort. In Breslau wurden wir im Edith-Stein-Haus herzlich empfangen und durften sogar in den ehemaligen Zimmern der Familie Stein übernachten. 1910 erwarb Auguste Stein das geräumige Haus in der damaligen Michaelisstraße 38, als Edith Stein 19 Jahre alt war. Das Haus war familiärer Mittelpunkt, in das Edith Stein recht oft zurückkehrte, um ihre Mutter zu besuchen. Im Salon im ersten Stockwerk, hielt sie zeitweise auch ihre privaten philosophischen Seminare ab.

Auf den Spuren der H. Edith Stein entdeckten wir auch Breslau als Stadt, deren Geschichte von unterschiedlichen Kulturen, Religionen und politischen Umbrüchen geprägt ist. Breslau – heute Wrocław – erzählt auf vielfältige Weise von der deutsch-polnischen Geschichte. Ein besonders bewegender Ort war der jüdische Friedhof. Dort fanden wir die Gräber von Edith Steins Eltern Auguste und Siegfried Stein. Der jüdische Friedhof zeigte uns zugleich das reiche jüdische Leben, das einst Teil der Geschichte Breslaus war und durch die nationalsozialistische Verfolgung nahezu vollständig ausgelöscht wurde. Während unserer Stadtführung führte uns unser Weg über den lebendigen Markplatz hin zur Breslauer Universität, an der Edith Stein einst ihr Studium begann. Auf der Dominsel, der Wiege Breslaus, besichtigten wir den beeindruckenden Dom. So verbanden sich für uns an diesem Tag die Spuren Edith Steins mit der großen Stadtgeschichte Breslaus.

Am Abend feierten wir den Gemeindegottesdienst in der Kirche St. Michael mit. Diese Kirche hat eine besondere Verbindung zu Edith Stein: Nach ihrer Taufe in Bad Bergzabern besuchte sie bei ihren Aufenthalten in Breslau hier täglich den Gottesdienst. Bis heute erinnert eine Kapelle in der Kirche an Edith Stein, in der wir gemeinsame beten konnten.

Von Breslau, der Stadt der Kindheit und Jugend Edith Steins führte uns unsere Wallfahrt nach Tschenstochau, heute Częstochowa, zur Schwarzen Madonna, dem berühmten Gnadenbild der Gottesmutter im Kloster Jasna Góra. Auf dem Weg dorthin legten wir einen Zwischenstopp auf dem schlesischen Annaberg ein, dem bedeutendsten Wallfahrtsort Oberschlesiens. Eindrucksvoll erhebt sich dort die Wallfahrtsbasilika, an die ein Franziskanerkloster und der weitläufige Kalvarienberg ausgeschlossen sind. Der Annaberg ist jedoch nicht nur ein bedeutender Ort des Glaubens, sondern auch ein Ort, an dem sich die wechselvolle Geschichte Schlesiens widerspiegelt. Im Laufe der Geschichte war er Schauplatz nationaler Konflikte, insbesondere während der schlesischen Aufstände und in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt der zahlreichen Wallfahrten steht eine Figur der heiligen Anna, die im Hauptaltar der Wallfahrtskirche verehrt wird.

In Tschenstochau bezogen wir im Pilgerhaus unsere Unterkunft. So konnten wir die besondere Atmosphäre von Jasna Góra auch außerhalb der Gottesdienste erleben. Schon am frühen Morgen und bis in den Abend hinein begegneten uns Pilgergruppen, die betend und singend sich auf den Weg zur Schwarzen Madonna machten. Nach dem Betreten der Kapelle waren wir von der Atmosphäre tief beeindruckt. Die Kapelle war voller Menschen und gemeinsam mit diesen knieten wir rund um das Gnadenbild. Bei den unzähligen Messfeiern war es uns möglich auch hier täglich die Hl. Messe mitzufeiern. Auch wenn wir nicht jedes Wort verstanden, durften wir erfahren, dass unser Glaube uns über Sprache und Herkunft hinweg mit sehr vielen Menschen verbindet.

Von Tschenstochau aus besuchten wir Lublinitz (Lubliniec). Die Stadt ist eng mit der Familiengeschichte Edith Steins verbunden. Ediths Vater Siegfried Stein stammte aus Gleiwitz, ihre Mutter Auguste Courant aus Lublinitz. Nach der Hochzeit wohnten die Eltern zeitweise in Lublinitz, ehe sie nach Breslau zogen. Lublinitz war ein Lieblingsort für Edith Stein.
Heute erinnern die Edith-Stein-Kirche und das Edith-Stein-Museum, das 2009 im ehemaligen Wohnhaus der Großeltern Courant eröffnet wurde, an sie. Auf einzigartige Weise wird hier die Lebensgeschichte Edith Steins dargestellt – so anschaulich, wie es an keinem anderen Ort zu erleben ist. Viele Bilder ließen ihre Lebensgeschichte lebendig werden. Unser Besuch der Edith-Stein-Kirche, der ersten Kirche in Polen, die der Hl. Edith Stein geweiht wurde, wird uns ebenfalls noch lange in Erinnerung bleiben. Eigentlich wollten wir nur kurz in die Kirche hineinschauen, weil gleich der Gottesdienst beginnen sollte. Doch der Pfarrer ließ es sich nicht nehmen, uns freudig zu begrüßen und uns die Kirche zu zeigen. Er selbst war bereits auf den Spuren Edith Steins in Bad Bergzabern unterwegs gewesen und freute sich deshalb umso mehr, dass eine Messdienergruppe aus der Taufpfarrei der Hl. Edith Stein nun auf Spurensuche in Polen unterwegs ist. Ein lebendiger Austausch, der uns beschwingt wieder nach Tschenstochau zurückkehren ließ, um dort unseren letzten gemeinsamen Abend in Polen auf unserer Wallfahrt miteinander zu verbringen. Wir genossen noch einmal die regionale Küche und freuten uns über die polnische Gastfreundschaft, die wir immer wieder auf unserer Wallfahrt erfahren durften.

Als Abschluss unserer Wallfahrt verbrachten wir als Zwischenstopp auf der langen Rückfahrt noch einen Abend in Dresden. Bei einem gemeinsamen Stadtspaziergang entdeckten wir die beeindruckende Altstadt mit ihren historischen Gebäuden und Plätzen kennen und konnten die Atmosphäre dieser Stadt auf uns wirken lassen. Auch Edith Stein hielt sich einmal in Dresden auf, als sie von Breslau aus auf dem Weg nach Freiburg war. In einem Café in der Nähe des Dresdner Hauptbahnhofs traf sie sich mit Hans Lipps, zu dem Edith Stein eine besondere Zuneigung empfand. Lipps fragte sie damals spöttisch, ob sie auch zu jenem „Klub“ gehöre, der jeden Tag zur Messe gehe. In ihrer Autobiografie berichtet Edith Stein von diesem Gespräch: „Ich mußte über seine drollige Ausdrucksweise lachen, obgleich ich den Mangel an Ehrfurcht lebhaft empfand. … Nein, ich gehörte nicht dazu. Fast hätte ich gesagt: ‚Leider nein‘.“ (ESGA 1, 331) Es sollte anders kommen. Die Zuneigung zu Hans Lipps hatte keine Zukunft. Viel entscheidender aber war der innere Weg, den Edith Stein in den folgenden Jahren gehen sollte und der in ihre Bekehrung und Taufe bei uns in Bergzabern mündete.

Nach einer fast staufreien Heimfahrt legten wir einen letzten Stopp in der Domstadt Speyer ein, ehe wir nach ca. 2300 km wieder unsere Heimat erreichten und zum Abschluss unserer Wallfahrt die Vorabendmesse in St. Nikolaus Niederotterbach mitfeierten, in der wir die vielen Erlebnisse, Begegnungen, Eindrücke und unseren Dank für eine glückliche Heimkehr vor Gott bringen konnten.

Herzlichen Dank an alle, die uns mit ihren Gebeten während unserer Wallfahrt begleitet haben und die mit ihrer Spende diese Wallfahrt mitfinanziert haben. Vergelt´s Gott! (nb)